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Versammlungen23.11.2017
Wenn man selbst zum Monster wird

Lipödem: Heilpraktikerin Karin Bak sprach beim FB aus eigener Erfahrung über Fettschwellung

Lipödem-Patientinnen (es betrifft zu 98 Prozent Frauen) haben alle eine psychiatrische Auffälligkeit. „Kein Wunder, wenn ich trotz Sport immer mehr zum Monster werde“, beschrieb Inus-Geschäftsführerin Karin Bak am Donnerstagabend beim Frauenbund-Vortragsabend, wie sie selbst mit Beginn der Wechseljahre blumenkohlartige Fettmassen zugelegt hat. Damals konnte sie keine hundert Meter mehr ohne Schmerzen gehen. Sie war verzweifelt.

Obwohl die gebürtige Saarländerin unzählige Ärzte konsultiert hatte, konnte ihr nur Dr. Dominik Lukowicz in München helfen – mit vier Operationen, mit denen ihre Lebensfreude zurückkehrte.  Die genetisch veranlasste Krankheit könne bei einer gravierenden Hormonveränderung ausbrechen. Das Lipödem ist eine Fettschwellung. Von  der Definition her sei es eine atypische Anhäufung von Fettgewebe, das sich an bestimmten Stellen ansiedelt, und  im Wachstum ein Eigenleben entwickelt. Dieses Fett  fängt an, sich zu vermehren, ohne dass man irgendwie eine Beeinflussung hätte und setzt sich vor allem an Hüften, Oberschenkeln und Oberarmen ab. Im späteren Verlauf können Unterschenkel, Rücken, Nacken, Bauch betroffen sein.

Zum Ausbruch  kann es in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren kommen. Es ist eine familiär vererbte Erkrankung. Das Lipödem ist kein Übergewicht und weder durch Sport noch durch eine Diät zu bändigen. Durch die explodierende  Fettmasse werden die Lymphgefäße gepresst. Wenn sich dadurch Durchblutungsstörungen einstellen, entstehen Schmerzen.

Das Fettgewebe wird immer dicker und unterbricht den Lymphfluss. Das Bindegewebe fängt an, sich zu entzünden. Die Gefäße werden ebenfalls dicker und neigen zu Hämatomen. Die Haut wird im Krankheitsverlauf wellenartig und am Schluss gibt es die sogenannte Wannenbildung. Der Druckschmerz tritt  nur beim Lipödem auf, nicht bei einem  übergewichtigen Patienten. Behandlungsschritte sind die  Lymphdrainage, Kompression, Hautpflege und Bewegung. Die Fettabsaugung erfolgt in der Regel ab 120 Kilogramm plus. Karin Bak würde sie  früher machen lassen. Wer seine kranken Zellen los ist, bekommt sie nie wieder. Nach einer Liposuktion sei eine Kompression unerlässlich, damit sich  das Gewebe und die Entzündung zurückbilden. Außerdem verschwinde damit die überschüssige Haut.  Die Kompression sollte eine Maßanfertigung sein. Die individuelle Anpassung  und die Verlaufskontrollen sind notwendig. Beim Lipödem werden bei einer OP bis zu 10 bis 12 Liter entfernt, weil dieses Fett nicht am Stoffwechsel beteiligt ist. Kreislauftechnisch sind diese Mengen tatsächlich machbar. Zur Fettabsaugung wird eine spezielle Tumeszenztechnik verwendet, die schonender ist, als das alte Verfahren. Verteilt auf Beine, Hüfte, Bauch und Oberarme sind in der Regel vier OP`s notwendig. Die Verbesserungen treten sofort  nach dem Eingriff ein. „Der Druckschmerz und die Neigung zu Hämatomen hört sofort auf. Fehlstellungen der Knie und Hüften sind  beseitigt. Die Beine regulieren sich von alleine“, stellte Karin Bak bei sich selbst überglücklich fest. Sie kann  wieder Sport treiben – ohne Schmerzen. (kli) Auszug aus der Kötztinger Umschau


Redakteur: Emmi Kollross
Veröffentlicht am: 23.11.2017
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