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Versammlungen21.10.2016
Alltägliches mit allen Sinnen wahrnehmen...

Warum wir das Leben, fühlen, schmecken, hören, tasten und riechen müssen.

Was bitte ist Genusstraining? In der Psychologie hat der bewusste Genuss durch neue Konzepte in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Selbstfürsorge nennen Therapeuten die Fähigkeit, auch in Stress- und Krisenzeiten das eigene Wohlbefinden nicht aus dem Blick zu verlieren. Und wer etwa in der Lage ist, sich an Geschmack oder Klängen bewusst zu erfreuen, hat dafür schon mal ein gutes Rüstzeug. Das Thema war auch der Vorstandschaft des örtlichen Frauenbundes wichtig genug, um daraus einen ganzen Vortragsabend zu machen. Mit Vhs-Referentin und Stressmanagement-Trainerin Anneliese Kumschier konnten die Verantwortlichen dafür eine kompetente und erfahrene Rednerin gewinnen. Die zweite Vorsitzende des Frauenbundes Annemarie Roßbauer freut sich, im Pfarrsaal knapp 20 Zuhörer begrüßen zu können. Genusstraining zielt darauf, alle fünf Sinne zu gebrauchen und folglich war Anneliese Kumschier viel mehr an praktischen Übungen und emotionalen Erfahrungen als an langen Reden gelegen. Der Einstieg erfolgte über das Hören, denn dass Musik der "Recreation des Gemüths" dient, wusste schon Johann Sebastian Bach. Inzwischen ist das auch wissenschaftlich untermauert: Beim Hören schöner Kompositionen sinkt die Konzentration des Stresshormons Kortisol im Blut. Am Freitagabend war es zwar keine Musik aus dem Repertoire von Bach, doch Peter Cornelius' "Der Kaffee ist fertig" in Verbindung mit dem Duft von gemahlenem Kaffee hatte auf die Anwesenden die gleiche positive Wirkung. Anneliese Kumschier ermunterte sie, sich diese Emotionen zu konservieren und bei der nächsten genussvollen Tasse Kaffee zuhause wieder abzurufen. DAs Ganze funktioniert sogar noch weitergehend und wird nach Aussage der Referentin seit einigen Jahren von Psychologen in der Schmerztherapie angewandt. "Mit der Konzentration auf einen anderen, am besten den individuell dominierenden Sinn, können Patienten lernen, Schmerzen oder auch andere negative Sinneseindrücke auszublenden. Auf diese Weise erweiterte Anneliese Kumschier Schritt für Schritt die Liste der positiven, vor allem bewussten Wahrnehmung um die Sinne Schmecken, Sehen, Tasten/Fühlen, Riechen. All dem liegt das Prinzip zugrunde, nicht nur das eigene Umfeld immer wieder für kurze Momente bewusst und mit einer gewissen Dankbarkeit wahrzunehmen, sondern auch dem eigenen Tun Achtsamkeit zu schenken und sich Momente mit positiven Emotionen zu schaffen. "Genuss braucht immer auch Zeit", machte die STressmanagerin klar. So kann der von vielen als belastend empfundene Kreislauf aus Arbeit und Stress im Alltag immer wieder unterbrochen werden. "Wenn ihr am Arbeitsplatz einen Kugelschreiber in die Hand nehmt, erfühlt ihn kurz mit euren Händen und verbindet das mit der Dankbarkeit, arbeiten zu dürfen", forderte A. Kumschier beispielhaft. Auf soziale Kontakte hat ein Genusstraining ebenfalls sehr förderliche Auswirkungen. In Krisensituationen oder bei Konflikten hilft das Hervorholen abgespeicherter positiver Emotionen zudem selbst ein wenig gesünder zu bleiben, anstatt zornig zu werden oder sich verärgert zu streiten. Abschließend ist festzuhalten, dass eine achtsame, "genussvolle" Wahrnehmung, ein "Sich-Zeit-Nehmen" der allgemeinen Lebenszufriedenheit und dem emotionalen Wohlbefinden sehr zuträglich sind.

(Auszug aus Kötztinger Zeitung -as- - Bild privat)


Redakteur: Emmi Kollross
Veröffentlicht am: 21.10.2016
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