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Versammlungen20.10.2015
Erdäpfel - verwandlungsfähig, vielseitig und gesund

Ehrenkreisbäuerin und Buchautorin Roswitha Scheidler kochte beim FB mit Kartoffel

Roswitha Scheidler ist eine bemerkenswerte Frau. 85 Jahre, ehemalige Kreisrätin, ehemalige Kreisbäuerin, Buchautorin und seit vielen Jahren gefragte Referentin des Frauenbund Diözesanverbandes. Ihr Buch "Spouzzn, Schoppala und Schwammerbröih" dürften vielen in der Auslage von Buchhandlungen schon einmal begegnet sein. Am Dienstag war sie auf Einladung des Frauenbundes zu Gast im Pfarrsaal. Die "Scheidlerin", 1930 am Fuße des Steinwalds in Erbendorf geboren, kocht nach altüberlieferten Rezepten, so wie sie es von ihrer Mutter und ihrer Schwiegermutter gelernt hat. Die frischen Zutaten stammen fast ausschließlich aus der Region, in der Roswitha Scheidler aufgewachsen ist, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hat und mit der sie vrewurzelt ist. Am Dienstag standen die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Erdäpfel im Mittelpunkt. Wenn bei Roswitha Scheidler die Töpfe und Pfannen klappern, dann gibt es am Ende immer echte, ebenso bodenständige wie leckere Schmankerl. Die Rezepte der Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft und Neustädter Ehrenkreisbäuerin sind zudem absolut alltagstauglich und gesund - eine kulinarische Liebeserklärung an eine Region, in der Liebe wirklich durch den Magen geht. Während die leider nur wenigen Zuhörerinnen ihr beim Kochen zuschauten, lieferte die agile Referentin nicht nur alle nötigen ERklärungen dazu, sondern erzählte ein wenig aus ihrem Leben und streute aus dem Stehgreif ihr "liebstes Erdäpfelgedicht" aus der Oberpfalz ein: Y...wer sich an sie hält, lebt glücklich und wird alt." Roswitha Scheidler ist der beste Beweis für diese Aussage. "I hab noch nie was mit Anti-Aging g'macht. I bin so wie Gott mi ausgestattet hat", sagte die durchaus resolute Seniorin. Doch bevor das erste Gericht, die überbackenen Erdäpfelfächer, im Ofen ist, steht ein Ausflug in die Geschichte der Kartoffel, die erst im 17. Jahrhundert ihren Siegeszug auch in der Oberpfalz angetreten hat, auf dem Programm. 1621 wird die Kartoffelpflanze in der Oberpfalz erstmals aktenkundig. Bis sie tatsächlich als Nahrungsmittel in größerem Umfang angebaut wird, vergehen noch einige Jahre.

Dann ist schon das nächste Gericht in Arbeit - ein Erdäpfelstrudelteig, den sie ganz klassisch mit Äpfeln und Weibeal füllt. Im Pfaffsaal duftet es inzwischen schon so unwiderstehlich, dass den Zuschauern, unter die sich inzwischen auch Pfarrer Ambros Trummel gemischt hat, buchstäblich das Wasser im Munde zusammen läuft. Nachdem der STrudel im Backrohr verschwunden war, ging Roswitha Scheidler an die Zubereitung einer Kartoffelpizza. Der Boden bestand aus einem Kartoffelteig und war blitzschnell zubereitet und musste in einer beschichteten Pfanne nur ein wenig Farbe annehmen. Gebratenes Gemüse, ein wenig Speck, obenauf Tomaten und Käse darüber gestreut, einige Minuten den Deckel darüber und fertig. Vom ERgebnis waren die Testesser allesamt begeistert, ebenso wie von überbackenen Fächern, zu denen es einen leckeren Sauerkraut-Apfel-Karotten-Salat gab. "Jetzt san's stad", kommentierte Roswitha Scheidler die Stille beim Essen und Genießen, die nur vom Besteckgeklapper verbunden mit einigen "Mhmm, is des guad" unterbrochen wurde. Für das letzte Gericht, ein Cordon bleu, bildete nicht Schnitzelfleisch sondern wiederum ein Kartoffelteig die Grundlage. Der wurde mit Schinken und Käse gefüllt und in der Pfanne goldgelb gebraten. Als dann der abschließende Höhepunkt, der STrudel mit Vanilleeis, auch noch verputzt war, blickte die engagierte Köchin in ausnahmslos satte und zufriedene Gesichter. Ganz sicher werden die Kochschüler das eine oder andere Gericht schon bald zuhause ausprobieren. Es blieb einmal mehr die Erkenntnis, dass die Kartoffel eine tolle Knolle und Roswitha Scheidler eine nicht minder tolle Referentin ist. (Auszug aus KZ vom 22. Oktober 2015 - as)


Redakteur: Emmi Kollross
Veröffentlicht am: 20.10.2015
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